Düsseldorf – Bonzenstadt oder nur ein hartnäckiges Klischee?

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Düsseldorf hat ja so ein Image. Dieses „da leben doch nur Anwälte, Zahnärzte und Leute, die in ihrem Leben noch nie eine reduzierte Packung Nudeln gekauft haben“. Ein bisschen Kö-Glitzer, ein bisschen Medienhafen-Glasfassade, Oberkasseler Villen, FDP-Stammwähler, die letzten ihrer Art – und zack, ist das Bild fertig. Aber wie viel stimmt davon eigentlich? Und wie viel ist einfach nur ein Running Gag, den ganz Deutschland zu gut findet, um ihn sterben zu lassen?

Ich wohne seit Jahren hier, ich führe Touren durch die Altstadt, höre den Leuten beim Meckern und beim Schwärmen zu, und ich hab irgendwann gemerkt:Das Vorurteil ist nicht komplett falsch – aber es ist auch nicht mal annähernd vollständig.

Woher das Klischee kommt – und warum es so hartnäckig ist

Fangen wir mal vorne an: Wenn man jemanden fragt, warum Düsseldorf angeblich so reich sein soll, kommen immer die gleichen Argumente. Und ehrlich gesagt: Sie sind nicht komplett erfunden.

1. Die Königsallee – Deutschlands Catwalk für Kreditkarten

Die Kö ist halt so ein Ort, da merkt man sofort:„Okay, hier ist Geld im Spiel.“Gucci, Dior, Breuninger – alles fein rausgeputzt, elegante Menschen, kleine Hunde mit besserer Frisur als du. Wenn Menschen von „Bonzenstadt“ reden, dann meinen sie genau diese 900 Meter.

2. Der Breidenbacher Hof

Ein Hotel, in dem eine Nacht so viel kostet wie anderswo ein Wochenurlaub. Der Türsteher grüßt dich mit Namen, bevor du überhaupt entschieden hast, ob du hineingehst. Natürlich nährt sowas das Klischee.

3. Medienhafen – der Spielplatz der Neureichen

Glass, Stahl, Designerbüros. Leute, die „im Creative Bereich“ arbeiten, aber eigentlich die gleiche schwarze G-Klasse fahren wie alle anderen.Man gönnt’s ihnen ja. Nur wundert sich niemand, dass dort das Klischee befeuert wird.

4. Oberkassel & Grafenberger Wald – wo der Geldadel joggen geht

Wenn du hier spazieren gehst, hast du manchmal das Gefühl, die Immobilien entscheiden selbst, ob du dir leisten kannst, hindurchzugehen. Und ja, die FDP fühlt sich hier spürbar zu Hause.Ironisch? Ja.Falsch? Nicht unbedingt.

5. Düsseldorf war mal schuldenfrei

Kein Scherz: Durch Privatisierungen städtischer Beteiligungen war Düsseldorf mal wirklich schuldenfrei. Keine andere deutsche Großstadt konnte so etwas von sich behaupten(außer Dresden). Und dann kam Corona.Und jetzt?Man munkelt über neue Milliardenkredite. Wenn sie kommen – wie lange das wohl dauert, bis wir wieder schuldenfrei werden? Vermutlich so lange wie die Baustelle am Kö-Bogen.

Was gegen das „Bonzen“-Bild spricht – und zwar richtig deutlich

Wer Düsseldorf nur über Kö, Medienhafen und Oberkassel definiert, lässt gut 90 % der Stadt komplett außen vor. Und genau dort liegt die Realität:

1. Garath & Reisholz – Portemonnaies, die keine Goldprägung haben

Hier wohnen Menschen, die ganz normale Jobs machen, ganz normale Sorgen haben und ganz normale Preise für Lebensmittel zahlen müssen. Der Alltag in Garath sieht nicht aus wie eine Louis-Vuitton-Werbekampagne – eher wie der ganz klassische Ruhrgebietsrand.

2. Der erste Volkspark Deutschlands – für den ganzen „Pöbel“

Der Hofgarten war der wohl erste Parks, in dem auch der Pöbel flanieren durften. Während die Stadt mit K damals eher nur für die feine Schicht öffnete, durfte man in Düsseldorf seit Jahrhunderten einfach spazieren, sich hinsetzen, Kinder rennen lassen.Düsseldorf hat also tatsächlich eine soziale Tradition – auch wenn das viele nicht wissen.

3. Altbier für zwei Euro – ja, das gibt’s

Man muss nur wissen, wo. Zwischen Golzheim, Derendorf, Eller und Uni-Viertel gibt’s Kneipen, da kostet das Alt noch um die 2 Euro. Und der Laden ist voll, weil dort ganz normale Menschen sitzen: Handwerker, Studis, Rentner, Nachtarbeiter. Keine Rolex in Sicht. Zugegeben das wird aber seltener.

4. Düsseldorf war Wahlkreis von Sahra Wagenknecht

Kein Witz: Ausgerechnet Düsseldorf hatte lange den Bundestagswahlkreis von Deutschlands berühmtester Linken-Politikerin.Erklär das mal jemandem, der fest davon überzeugt ist, dass hier alle in Gold baden.

5. Soziale Initiativen – viele kommen von hier

Von Arbeiterbewegungen über Gewerkschaftstreffen bis moderne Sozialprojekte heute: Düsseldorf hat historisch mehr „sozial“ im Profil als man denkt. Klar, sieht man nicht auf Instagram – aber es ist da.

Die Wahrheit liegt, wie immer, irgendwo dazwischen

Wie bei allen Klischees ist auch hier etwas Wahres dran. Natürlich gibt es in Düsseldorf reiche Menschen, dekadente Momente und Orte, die aussehen wie aus einer Finanz-Elite-Serie. Und natürlich gibt es Punks, Künstler, Musiker, die abends von sozialer Ungleichheit singen und nachts wieder in die Oberkasseler Villa fahren.

Aber:Der Anteil wirklich reicher Menschen ist am Ende klein.Und aus meiner Erfahrung, durch meinen Touren in Düsseldorf kann ich dir sagen:Die meisten von ihnen sind überraschend normale, respektvolle Leute. Oft freundlicher als manche, die nur so tun.

Düsseldorf ist eine Stadt voller Gegensätze. Alt und neu, reich und normal, Kö und Kiosk, Medienhafen und Garath. Genau das macht sie spannend — und ehrlicher, als ihr Ruf es vermuten lässt.

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